springe zum Inhalt

Fischbestände
Online

Nordsee-Steinbutt

gültig 12/2017 - 07/2019

Ökoregion:
Nordsee
Fanggebiet:
Nordsee (3.a, 4) FAO 27
Art:
Scophthalmus maximus

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche (seit 2013) analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Fangdaten aus der kommerziellen Fischerei und zwei unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreisen. Für Laicherbiomasse und fischereiliche Sterblichkeit sind Referenzwerte für die Bewirtschaftung nach dem Konzept zur Erlangung des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY) als Proxies (Kandidaten) definiert. Die Ergebnisse sind jedoch unsicher und reichen nur aus, um die Trends der Bestandsentwicklung darzustellen. [1014] [1039]

Wesentliche Punkte

2017 wurde die Bestandsberechnung für Steinbutt erneut überarbeitet. Die Wahrnehmung des Bestandes hat sich dadurch geändert, die Laicherbiomasse ist nun höher, der Fischereidruck niedriger. Der Bestand liegt in Bezug zu den MSY-Referenzwert–Kandidaten jetzt im grünen Bereich. [1014] [1039]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
?+ (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

?+ (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

?+ (large)

Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

?+ (large)

Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

Es erfolgt zwar eine quantitative Begutachtung, es werden jedoch nur Trends aufgezeigt.

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse steigt seit den späten 1990er Jahren. Die fischereiliche Sterblichkeit hat seit Mitte der 1990er Jahre abgenommen und ist in den letzten 10 Jahren stabil. Die Nachwuchsproduktion variiert ohne deutlichen Trend. Nach einem Wert von 6.340 t in 1991 nahmen die Anlandungen ab und sind seit 1996 relativ stabil. [1014] [1039]

Ausblick

Der aktuelle Bestandszustand ermöglicht für die nächsten Jahre höhere Fangmengen. [1014] [1039]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Steinbutt gilt als ortsgebundener Fisch, es gibt aber auch Hinweise auf Wanderverhalten. In der Nordsee wurden Wanderungen zwischen den Laich- und Aufwuchsgebieten im Südosten in nördlichere Gebiete beobachtet. Die älteren Fische sind toleranter gegenüber niedrigen Wassertemperaturen in der nördlichen Nordsee, wo es für die Jungfische zu kalt zum Überleben ist. [1014] [1039]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Die Bewirtschaftung von Nordsee-Steinbutt erfolgt durch die EU über eine Begrenzung der Anlandemenge (TAC). Der TAC schließt neben der Nordsee (EU-Gewässer von ICES-Gebiet 4) auch die EU-Gewässer von Gebiet 2.a ein und gilt für Steinbutt und Glattbutt gemeinsam. Die Bewirtschaftung erfolgt außerdem über technische Maßnahmen (z.B. Maschenweiten) und Aufwandsbeschränkungen. Außerdem gibt es freiwillige Mindestanlandelängen einiger Erzeugerorganisationen in einzelnen Mitgliedsstaaten (Belgien, Niederlande). [1014] [1039]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Für 2014 wurde die erste numerische Fangempfehlung für diesen Bestand gegeben, die Anlandungen 2014 lagen etwas unter dieser wissenschaftlichen Empfehlung. 2015 und 2016 lagen Anlandungen und Fänge über den Fangempfehlungen. Ein Vergleich mit der festgesetzten Höchstfangmenge (TAC) ist nicht möglich, solange ein gemeinsamer TAC für zwei verschiedene Arten (Steinbutt & Glattbutt) festgelegt wird, was biologisch sinnlos ist. Die Bewirtschaftung von zwei Arten unter einem TAC verhindert die effektive Kontrolle der jeweiligen Fangmenge und kann zur Übernutzung einer oder beider Arten führen. [1014] [1039]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Nordsee-Steinbutt ist im ICES-Gebiet 4 (Nordsee) verbreitet. Eine Höchstfangmenge wird für die EU-Gewässer der ICES Gebiete 4 und 2.a gemeinsam mit Glattbutt festgelegt. [1014] [1039] [1041]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang 2016: 4,2; Anlandungen: 3,5, Rückwürfe: 0,7; davon Baumkurren 70%, Grundscherbrettnetze 21%, andere 9%
TACs (EU-Gewässer 2.a & 4, gemeinsam mit Glattbutt) 2009: 5,26   2010: 5,26   2011: 4,64   2012: 4,64 
2013: 4,64   2014: 4,64   2015: 4,64   2016: 4,49   
2017: 5,92   2018: 7,10   [981] [1014] [1039] [1041]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise auf illegale oder unberichtete Fänge von Steinbutt aus der Nordsee. [1014] [1039]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Steinbutt wird hauptsächlich als begehrter Beifang in der gemischten Fischerei auf andere Plattfische (vor allem Scholle und Seezunge) und Grundfische gefangen. Die hohen Treibstoffkosten haben u.a. die Entwicklung treibstoffsparender Fangmethoden gefördert. So haben einige, vor allem niederländische Fahrzeuge im letzten Jahr auf Baumkurren mit weniger Bodenkontakt umgerüstet, bei denen Ketten durch Scheuchelektroden („Pulse trawl“) oder gezielte, feine Wasserströme („Wingsum“, „Hydrorigg“) ersetzt sind. Eine gerichtete Fischerei mit Kiemennetzen tätigt nur etwa 10 % der Anlandungen. [1014] [1039]

Beifänge und Rückwürfe

Steinbutt ist selbst überwiegend Beifang, wenn auch ein sehr wertvoller. Der Rückwurf von Steinbutt in der Schleppnetz-Fischerei ist wahrscheinlich gering, von vermarktbaren Tieren insgesamt sehr unwahrscheinlich. Es gibt aber Hinweise, dass die Rückwürfe 2017 auf etwa 18% gestiegen sind, 2013-2015 waren es nur etwa 5%. Mit den steigenden Fangmöglichkeiten wird 2018-2019 wieder eine Abnahme der Rückwürfe erwartet. In EU-Gewässern der Nordsee gilt für Steinbutt bis spätestens Ende 2018 ein Verbot des „highgradings“ (Rückwurf legal anlandbarer Fische), danach sind jegliche Rückwürfe verboten. [750] [1014] [1039]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundscherbrettnetze und Baumkurren können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. Der Einfluss hängt aber auch von Fangmethode und Bodenstruktur ab. Auf sandigem Boden hat eine Studie in den USA nur einen geringen Einfluss durch Grundscherbrettnetze feststellen können. So waren zwar die Spuren der Scherbretter lange sichtbar (mindestens 1 Jahr), es konnten aber kaum signifikante Unterschiede in der Mikrotopographie der befischten und unbefischten Gebiete nachgewiesen werden. Auch bei strukturformenden und mobilen Wirbellosen zeigten befischte und unbefischte Gebiete keine signifikanten Unterschiede. Pulsbaumkurren („Pulse trawls“) sind noch in der Erprobung, über deren Umweltauswirkungen lassen sich derzeit noch keine fundierten Aussagen machen. Potentiell problematisch können auch Beifänge von Seevögeln und Meeressäugern in Stellnetzen sein. [7] [30] [208] [637] [808] [1014] [1039]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Steinbutt ist einer der wenigen Meeresfische, die auch Brackwasser bewohnen. Er ist außerdem einer der am schnellsten wachsenden Plattfische. Steinbutt-Weibchen wachsen signifikant schneller als Männchen, und ihre altersspezifische Länge ist größer. Dies führt zu einer höheren fischereilichen Nutzung der weiblichen Fische. [1014] [1039]

Zusätzliche Informationen

90% der Steinbuttfänge im Nordostatlantik einschl. der Ostsee werden in der Nordsee getätigt. Steinbutt gilt neben der Seezunge als wertvollster Plattfisch. [14] [1014] [1039]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Steinbutt in der Nordsee nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fahrzeuge fahren unter den Flaggen der Anrainerstaaten, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. Die deutsche Flotte hat 2015 236 t Steinbutt aus der Nordsee angelandet. [1014] [1039]

Bestandsübersicht Steinbutt

Marktdaten

2016: Verbrauch in Deutschland: 987 t (2015: 844 t), Marktanteil: 0,1% (2015: 0,1%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Kattegat/Skagerrak (3.a) 0,2 0,2 ? ? (small) ? (small) Anl. & Fang 2016 06/2017 - 06/2019
Nordsee (4) 3,5 4,2 ? ?+ (small) ?+ (small) Anl. & Fang 2016 12/2017 - 07/2019
Ostsee (22-32) 0,3 - ? ? (small) ? (small) 05/2018 - 05/2019

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Nordsee-Steinbutt

  Autor Jahr Titel Quelle
[7] Kaiser MJ, Ramsay K, Ramsay K, Richardson CA, Spence FE, Brand AR 2000 Chronic fishing disturbance has changed shelf sea benthic community structure Journal of Animal Ecology 69:494-503
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[208] Bellebaum, J 2011 Untersuchung und Bewertung des Beifangs von Seevögeln durch die passive Meeresfischerei in der Ostsee. BfN-Skripten 295 Bundesamt für Naturschutz, ISBN 978-3-89624-030-9, www.bfn.de
[637] Soetaert M, Decostere A, Polet H, Verschueren B, Chiers K 2015 Electrotrawling: a promising alternative fishing technique warranting further exploration Fish and Fisheries, 16.1:104–124
[750] Europäische Union (EU) 2013 Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rates europa.eu
[808] James Lindholm J, Gleason M, Kline D, Clary L, Rienecke S, Cramer A, Los Huertos M 2015 Ecological effects of bottom trawling on the structural attributes of fish habitat in unconsolidated sediments along the central California outer continental shelf Fishery Bulletin 113:82-96
[981] Europäische Union (EU) 2017 VERORDNUNG (EU) 2017/127 DES RATES vom 20. Januar 2017 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2017 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern europa.eu
[1014] ICES 2017 Report of the Working Group on Assessment of Demersal Stocks in the North Sea and Skagerrak (2017), 26 April–5 May 2017, ICES HQ. ICES CM 2017/ACOM:21. 1077 pp. ices.dk
[1039] ICES 2017 ICES Advice on fishing opportunities, catch, and effort Greater North Sea Ecoregion, Turbot (Scophthalmus maximus) in Subarea 4 (North Sea) ices.dk
[1041] Europäische Union (EU) 2018 VERORDNUNG (EU) 2018/120 DES RATES vom 23. Januar 2018 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2018 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern und zur Änderung der Verordnung (EU) 2017/127 europa.eu