springe zum Inhalt

Fischbestände
Online

Rockall-Schellfisch

gültig 06/2016 - 06/2017

Ökoregion:
Keltischer und Biskaya-Schelf
Fanggebiet:
Keltische Meere (6, 7) FAO 27
Art:
Melanogrammus aeglefinus

1 Bestandszustand Umriss der Fischart

Wiss. Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche analytische Bestandsberechnung mit Vorhersage unter Verwendung von Anlandedaten und einer wissenschaftlichen Forschungsreise. Rückwürfe gehen in die Bestandsberechnungen ein. Die Referenzwerte nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages sind definiert. Die Referenzwerte nach dem Vorsorgeansatz) sind ebenfalls festgelegt (Bpa, Blim, Fpa, Flim). Die Bestandsberechnung ist eher unsicher, vor allem wegen der Unsicherheiten über die tatsächliche Entnahme und aufgrund spärlicher wissenschaftlicher Daten. [962]

Wesentliche Punkte

2016: Die Laicherbiomasse ist weiter gewachsen und liegt weit im grünen Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit konnte wieder gesenkt werden, liegt weiterhin im Rahmen des Vorsorgeansatzes (Fpa) und nur noch knapp über dem Referenzwert nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). [962]

Bestands­zustand Übersicht Bestandszustandssymbole

Laicherbiomasse
(Reproduktionskapazität)
Fischereiliche Sterblichkeit
+ (small)

volle Reproduktionskapazität (nach Vorsorgeansatz)

+ (small)

nachhaltig bewirtschaftet (nach Vorsorgeansatz)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

? (small)

Referenzwerte nicht definiert (nach Managementplan)

+ (large)

innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach höchstem Dauerertrag)

– (large)

übernutzt (nach höchstem Dauerertrag)

Grafiken zum Bestandszustand

Bestands­entwicklung

Die Laicherbiomasse erreichte 1995 ihren Höchstwert und nahm dann durch eine intensive internationale Fischerei schnell ab, bis sie 2001 unter dem Vorsorgereferenzwert lag. Danach stieg sie aufgrund einiger starker Jahrgänge mit leichten Schwankungen wieder an, nahm seit 2009 aber wieder kontinuierlich ab und erreichte 2014 den niedrigsten Wert der Zeitserie. Ab 2015 konnte ein starker Anstieg beobachtet werden und die Laicherbiomasse liegt dadurch nun wieder weit im grünen Bereich. Die fischereiliche Sterblichkeit lag während der gesamten Zeitserie bis 2005 meist über dem Vorsorgereferenzwert, konnte danach jedoch stark reduziert werden. Nach einem erneuten Anstieg 2014 hat sie 2015 wieder abgenommen, liegt aber noch über dem Referenzwert nach dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (Fmsy). Die Nachwuchsjahrgänge 2007-2011 waren extrem schwach, die Jahrgänge 2006, 2014 und 2015 sehr schwach. [962]

Ausblick

Aufgrund der erneut gestiegenen Laicherbiomasse können auch die Fangmengen etwas steigen. Die weitere Entwicklung der Fangmengen wird davon abhängen, ob es gelingt, die noch immer etwas zu hohe fischereiliche Sterblichkeit zu reduzieren. [962]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Die Nachwuchsproduktion war 2008-2012 sehr schwach. Ursache sind wahrscheinlich die steigenden Wassertemperaturen auf der Rockall-Bank. Wärmeres Wasser beschleunigt den Stoffwechsel und steigert den Energieverbrauch und den Nahrungsbedarf. Gleichzeitig ist ein Rückgang wichtiger Nahrungsorganismen für Larven und junge Schellfische zu beobachten, wodurch ein Nahrungsmangel bei den Jungtieren entsteht. Räuberdruck und Nahrungskonkurrenz mit grauem Knurrhahn verschärfen die Situation und führen zu einer geringeren Rekrutierung. [962]

2 Fischereimanagement

Wer und Wie

Der Bestand wird von der EU und der NEAFC (Nordost-atlantische Fischereikommission) bewirtschaftet, denn seit 1999 sind Teile des Gebietes internationale Gewässer und fallen damit in die NEAFC-Zuständigkeit. Fahrzeuge von nicht-NEAFC-Mitgliedern unterliegen in internationalen Gewässern keiner Einschränkung durch TACs und andere Regularien. Seit 2004 wird die legale Höchstfangmenge der EU (EU-TAC) für das Gebiet VIb und die internationalen Gewässer von XII und XIV festgelegt. Neben der EU-Flotte fischt eine russische, eine norwegische und eine färöische Flotte in diesen Gewässern, deren Fänge in den offiziellen Fangstatistiken enthalten sind. Der ICES hat den Entwurf eines Managementplans unter bestimmten Bedingungen positiv bewertet (im Einklang mit dem Vorsorgeansatz). Der Plan ist aber noch nicht formell eingeführt. Die Fischerei wird außerdem über Gebietsschließungen reguliert, die Jungfische in flachen Bereichen (Haddock Box) und Kaltwasserkorallen schützen sollen. Schließungen gibt es sowohl in EU- als auch in internationalen Gewässern. [154] [796] [907] [962]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Die legale Höchstfangmenge der EU (EU-TAC) wird für das Gebiet VIb und die internationalen Gewässer von XII und XIV festgelegt. Sie reguliert nicht die Fänge von nicht-EU-Staaten, die jedoch Teil der wissenschaftlichen Empfehlungen für den Bestand sind. Für 2004-2006 gab der ICES die Empfehlung, die Fänge so weit wie möglich zu reduzieren, und der EU-TAC wurde zwischen 600 und 700 t festgesetzt. Die Anlandungen in dieser Zeit lagen aber weit darüber. Für 2007 und 2008 wurden die TACs unterhalb der ICES-Empfehlungen festgesetzt. Allerdings schlossen die Empfehlungen für 2008 explizit die Rückwürfe mit ein. Für 2009-2012 bezogen sich die Empfehlungen des ICES wieder auf die Anlandungen, die TACs lagen bis 2011 über den wissenschaftlichen Empfehlungen, stimmten für 2012 aber überein. Die tatsächlichen Anlandungen lagen teilweise erheblich unter den TACs. Für 2013 wurde empfohlen, keine gerichtete Fischerei zuzulassen, es gab aber einen EU-TAC von 990 t. Die TACs lagen 2014 über und 2015 unter der wissenschaftlichen Empfehlung für die Anlandungen. 2016 entspricht der TAC der Empfehlung. [907] [962]

Karten

Verbreitungsgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete
Managementgebiet
Karten des Verbreitungs- und der Managementgebiete

Der Rockall-Schellfisch ist ein vom Schellfisch auf dem Kontinentalschelf der britischen Inseln getrennter Bestand, der auf Rockall-Plateau und -Bank verbreitet ist. Seit 2004 wird ein EU-TAC (Höchstfangmenge) für das Gebiet VIb und die internationalen Gewässer von XII und XIV festgelegt. Der süd-westliche Teil des Plateaus liegt in internationalen Gewässern und wird durch die NEAFC bewirtschaftet. [962]

Anlandungen und TACs (in 1.000 t)

Gesamtfang 2015: 2,97 (Anlandungen: 2,45; Rückwürfe: 0,53); davon von den Anlandungen Grundschleppnetze 97%, Langleinen 3%
EU-TAC (VIb, XII, XIV) 2007: 4,6     2008:6,9     2009: 5,9     2010: 5,0     2011: 3,7 
2012: 3,3     2013: 0,99  2014: 1,2     2015: 2,6  
2016: 3,2     [907] [962]

IUU-Fischerei

Seit 2006 gibt es auf diesen Bestand keine Fänge, die nicht zuzuordnen wären. Die Fischerei von nicht-EU-Staaten in internationalen Gewässern ist nicht durch die TACs reguliert, ist aber per Definition nicht illegal. [962]

3 Fischerei und ökologische Effekte

Struktur und Fangmethode

Rockall-Schellfisch wird aus einer gerichteten Fischerei sowie als Beifang angelandet. Zum Einsatz kommen Grundschleppnetze und Langleinen. Der Bestand wird vor allem vom Vereinigten Königreich (Schottland) gefischt (2015 84% der Anlandungen). Außerdem fischen Russland (6%), Irland (8%), Norwegen (3%) und die Färöer-Inseln (0,04%) auf Rockall-Schellfisch. [154] [962]

Beifänge und Rückwürfe

Der Rückwurfanteil von Schellfisch war und ist in dieser Fischerei hoch. Die durchschnittliche Rückwurf-Rate (nach Gewicht) lag 1991-2003 bei 60%, 2004-2011 bei 20%, 2012 waren es nur noch 2% des Gesamtfanges bezogen aufs Gewicht. Die enorme Reduzierung wurde auf die schwachen Jahrgänge und damit die geringe Anzahl kleiner Schellfische in dem Gebiet zurückgeführt. 2013 sind die Rückwürfe wieder stark gestiegen. Sie lagen bei 58%, 2014 waren es 14%, 2015 18% (vom Gesamtfang bezogen aufs Gewicht). In den nordwestlichen Gewässern der EU ist für Schellfisch das „highgrading“ (Rückwurf legal anlandbarer Tiere) verboten, spätestens ab Januar 2019 gilt ein vollständiges Anlandegebot. Russische und norwegische Fahrzeuge müssen den gesamten Fang anlanden. Die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) empfiehlt ihren Vertragspartnern in internationalen Gewässern ein generelles Rückwurf-Verbot. [750] [796] [962]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Einen negativen Effekt hat dieses Gerät auf die Fauna des Hartbodens, die in Teilen der Rockall-Bank besonders empfindlich ist. Hier hat als Folge des Einsatzes von Grundschleppnetzen die Häufigkeit von Schwämmen und Kaltwasser-Korallen abgenommen. Um Kaltwasserkorallen zu schützen, sind einige Gebiete für die Schleppnetz-Fischerei geschlossen. In der Langleinenfischerei kann es zu Seevogel-Beifang kommen. [30] [83] [796] [962]

4 Zusätzliche Informationen

Biologische Besonder­heiten

Der Rockall-Schellfisch ist ein von den Beständen des britischen Kontinental-Schelfs separierter Bestand. Er hat niedrigere Wachstumsraten und erreicht eine geringere maximale Länge als andere Bestände im Atlantik. [962]

Zusätzliche Informationen

Die Fischerei auf Rockall-Schellfisch hat sich stark verändert, als 1999 eine Korrektur der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der EU vorgenommen wurde. Der südwestliche Teil des Rockall-Plateaus wurde zu internationalen Gewässern, wodurch sich für Drittstaaten die Möglichkeit eröffnete, ihre Fischerei auf dieses Gebiet auszuweiten. Dies wurde vor allem von Russland genutzt. Russland ist Mitglied der NEAFC, die offiziellen Fangstatistiken enthalten daher die russischen Fänge, die in den letzten Jahren jedoch gering waren. [154] [962]

Zertifizierte Fischereien

Bislang ist keine Fischerei auf Rockall-Schellfisch nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Die Fischerei auf Rockall-Schellfisch wird derzeit vor allem von Fahrzeugen unter der Flagge der EU, Norwegens und Russlands durchgeführt. Die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach deren Regeln. [13] [14]

Bestandsübersicht Schellfisch

Marktdaten

2016 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 7.165 t (2015: 5.368 t), Marktanteil: 0,7% (2015: 0,5%) [13] [14]

  Anlan- dungen (in 1.000 t) Fänge (in 1.000 t) Laicher- biomasse (in 1.000 t) Laicher- biomasse Zustand Fischereiliche Sterblichkeit Anmerkungen (insbesondere Managementplan) Gültigkeit
Färöer (Vb) 3,5 3,5 19,2 – (small) – (small) 06/2017 - 06/2018
Irische See (7.a) 1,0 1,3 19,9 + (small) + (small) 06/2017 - 06/2018
Island (Va) 39,6 - 76,7 ? (small) + (small) 06/2016 - 06/2017
Keltische See (7.b-k) 7,6 17,9 32,9 + (small) – (small) 06/2017 - 06/2018
Nordost-Arktis (1, 2) 233,4 - 537,9 + (small) + (small) Managementplan seit 2004/2007 06/2017 - 06/2018
Nordsee (4, 6.a, 20) 35,1 42,7 248,6 + (small) – (small) 12/2017 - 06/2018
Rockall (VIb) 2,4 3,0 23,6 + (small) – (small) 06/2016 - 06/2017

Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES oder analog zu dessen Einteilung:

Symbol Biomasse Bewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
Häkchen innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert angemessen oder unternutzt
Kreuzchen außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert übernutzt
Fragezeichen Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten

Literaturquellen Rockall-Schellfisch

  Autor Jahr Titel Quelle
[13] Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Homepage ble.de
[14] Fisch-Informationszentrum e.V. (FIZ) Fisch-Informationszentrum e.V. Homepage fischinfo.de
[30] Food and Agriculture Organization (FAO) FAO. © 2003-2010. Fisheries Topics: Technology. Fish capture technology. In: FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rome. Updated 2006 15 09.[Cited 10 June 2010] fao.org
[83] Fossa JH, Mortensen PB, Furevik DM 2002 The deep-water coral Lophelia pertusa in Norwegian waters: distribution and fishery impacts Hydrobiologia 471:1-12
[154] Newton AW, Peach KJ, Coull KA, Gault M, Needle CL 2008 Rockall and the Scottish haddock fishery Fisheries Research 94:133–140
[750] Europäische Union (EU) 2013 Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame Fischereipolitik und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1954/2003 und (EG) Nr. 1224/2009 des Rates sowie zur Aufhebung der Verordnungen (EG) Nr. 2371/2002 und (EG) Nr. 639/2004 des Rates und des Beschlusses 2004/585/EG des Rates europa.eu
[796] North East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC) North East Atlantic Fisheries Commission
Managing Fisheries in the North East Atlantic. Current Management Measures
neafc.org
[907] Europäische Union (EU) 2016 VERORDNUNG (EU) 2016/72 DES RATES vom 22. Januar 2016 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für 2016 für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Unionsgewässern sowie für Fischereifahrzeuge der Union in bestimmten Nicht-Unionsgewässern und zur Änderung der Verordnung (EU) 2015/104 europa.eu
[962] ICES 2016 Report of the Advisory Committee, 2016. Book 5, Celtic Seas and Oceanic Northeast Atlantic ecoregions. 5.3.28 Haddock (Melanogrammus aeglefinus) in Division 6.b (Rockall) ices.dk